Divertikelkrankheit

 

Einleitung

Dickdarm-Divertikel sind gutartige Ausstülpungen der Schleimhaut am Darm (Divertikulose = mehrere nicht entzündete Divertikel am Darm). Dabei stülpt sich die Schleimhaut wie ein Säckchen durch eine kleine Lücke in der Darmwand nach aussen. Diese Ausstülpungen werden meist anlässlich einer Darmspiegelung im Bereich des Mastdarmes (Colon sigmoideum) entdeckt. In den westlichen Ländern treten bei etwa 60 % der über 60-jährigen Bevölkerung Divertikel auf. Sie verursachen in den meisten Fällen jedoch keine Beschwerden. Die Ursache der Divertikel ist bis heute unklar. Man vermutet, dass es mit einer Neigung zur Verstopfung und gleichzeitiger ballaststoffarmer Kost zusammenhängt.



Einfache Divertikulitis

Die eigentlich harmlosen Divertikel können sich jedoch aus unerklärlichen Gründen entzünden. Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber und ein Anstieg der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) sind Zeichen einer derartigen Entzündung (Divertikulitis). Wird die Entzündung früh erkannt, kann in der Regel mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Leider verschwinden die Divertikel nach Abklingen der Entzündung aber nicht und können später erneut eine Divertikulitis verursachen. Das Risiko einer erneuten Entzündung steigt nach jedem Divertikulitis-Schub und der betroffene Darmabschnitt wird durch die wiederholten Entzündungen eng und starr (narbige Stenose). Bei der einfachen (unkomplizierten) Divertikulitis wird die Entscheidung zur Operation individuell gefällt. Prinzipiell besteht nach ein bis zwei Schüben noch keine zwingende Indikation für eine Operation, ausser in speziellen Situationen (z.B. bei Patienten unter Immunsuppression). Nach wiederholt oder in enger Folge aufgetretenen Entzündungschüben empfiehlt sich jedoch eine Beratung der individuellen Vor- und Nachteile der Operation versus des weiteren Zuwartens durch einen Chirurgen der diese Operationen regelmässig durchführt. Gerne bieten wir solche Beratungen im Rahmen unserer kolorektalchirurgischen Sprechstunde an.



Komplizierte Divertikulitis

Die Entzündung der Divertikel kann aber auch einen komplizierten Verlauf nehmen. Gefürchtet ist vor allem das Platzen eines entzündeten Divertikels mit Stuhlaustritt in den Bauchraum (Darmdurchbruch). Dies führt dann zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung. Ähnliches kann auftreten, wenn sich die Entzündung des Divertikels in der Darmwand und dem umliegenden Gewebe ausbreitet. Es entsteht ein Eiterherd, der wiederum die Darmwand durchbricht. Damit tritt Eiter in den freien Bauchraum aus und das Bauchfell entzündet sich (eitrige Peritonitis). Oder aber es erfolgt ein Durchbruch in ein anderes Organ, beispielsweise in die Harnblase oder die Scheide, womit eine "falsche" Verbindung entsteht: Stuhl tritt aus der Harnblase oder aus der Scheide aus.



Divertikelblutung

Eine weitere Komplikation stellt die Divertikelblutung dar. Sie kann als Folge einer Divertikulitis auftreten und ist bei älteren Patienten eine der häufigsten Ursachen für eine Darmblutung. Kann das blutende Divertikel identifiziert werden (durch eine Darmspiegelung oder Röntgenuntersuchung) muss in der Regel in einer Notfalloperation das betroffene Dickdarmsegment entfernt werden.



Therapie: Entfernung des Sigmadarmes (Sigmoidektomie)


In den allermeisten Fällen ist hauptsächlich das sogenannte "Sigma" 
von der Entzündung betroffen und sollte deshalb entfernt werden
(Sigmaresektion). Aus der Entfernung des Sigmadarmes ergeben sich für den Patienten  keine  Nachteile. Die Funktionen dieses Darmabschnittes werden von den benachbarten Darmabschnitten übernommen. Wir führen die  Entfernung im entzündungsfreien Zustand (6 bis 8 Wochen nach einem Divertikulitisschub) durch, und zwar in Form einer minimal invasiven Dickdarmentfernung ("Schlüssellochchirurgie", laparoskopische Dickdarmsegmententfernung).




 

Dabei wird eine Kamera über einen kleinen Schnitt (2cm) am Bauchnabel in den Bauchraum eingeführt. Mithilfe weiterer feiner Instrumente, die im Mittel- und Unterbauch durch kleine Hautschnitte (0.5 - 1.5cm) eingeführt werden, kann der betroffene Dickdarmabschnitt im Bauch losgelöst und anschliessend über einen etwa 7 bis 10 cm grossen Schnitt im Unterbauch entfernt werden. Anschliessend werden die verbleibenden Darmenden wieder miteinander verbunden (Anastomose). Ein künstlicher Darmausgang ist bei dieser Operation nicht nötig. Der Vorteil der minimal invasiven Technik ist, dass die Genesung nach der Operation deutlich schneller vorangeht und das kosmetische Resultat infolge der kleinen Wunden besser ist. Als weiterführende Therapie empfehlen wir den Patienten eine ballaststoffreiche Diät.



Notfall-Operation bei Divertikulitis mit Peritonitis

Bei allen Fällen von schweren Bauchfellentzündungen ist eine Notfalloperation nötig. Dabei wird über einen grossen Schnitt, vom Mittelbauch bis zum Unterbauch reichend, der betroffene Dickdarmabschnitt entfernt und Stuhl – sowie Eiterreste aus der Bauchhöhle gespült. Wenn die verbleibenden Darmenden entzündungsfrei sind, können sie mit einem Klammerinstrument wieder verbunden werden. Manchmal muss ein vorgeschalteter künstlicher Darmausgang angelegt werden, um die neue Verbindung heilen zu lassen. Der künstliche Dünndarmausgang im rechten Unterbauch wird 6 bis 12 Wochen nach der ersten Operation in einem zweiten kleinen Eingriff wieder verschlossen.

Sollte die Entzündung schon so weit fortgeschritten sein, dass eine direkte Zusammenführung der Dickdarmenden nicht mehr möglich ist, wird ein Ende des Dickdarmes im Becken verschlossen und das stuhlzuführende Ende als künstlicher Darmausgang im linken Unterbauch ausgeführt (Hartmann-Operation). Eine Wiedervereinigung des Dickdarmes mit dem Enddarm kann nach vollständigem Abklingen der Entzündung, frühestens 8 bis 12 Wochen später, wieder erwogen werden.



   

Operationsverfahren

Laparoskopische Sigmaresektion

Laparoskopische Sigmaresektion bei Divertikulose

Vorbereitung: kleiner Einlauf
Anästhesie: Vollnarkose

Operationsdauer:

120 bis 240 min
Krankenhausaufenthalt: 5 bis 7 Tage
Arbeitsunfähigkeit:3 bis 4 Wochen
Nachbehandlung: keine Fadenentfernung
Nachkontrollen:zur Besprechung der Histologie
Offene Sigmaresektion

Offene Sigmaresektion bei komplizierter Divertikulitis

Vorbereitung: Notfalloperation
Anästhesie: Vollnarkose

Operationsdauer:

120 bis 240 min
Krankenhausaufenthalt: 7 bis 10 Tage
Arbeitsunfähigkeit:3 bis 4 Wochen
Nachbehandlung: Fadenentfernung nach 10 Tagen
Nachkontrollen:Stoma-Beratung
Verschluss künstlicher Dünndarmausgang

Verschluss künstlicher Dünndarmausgang  (Ileostoma-Rückverlagerung)

Vorbereitung: keine
Anästhesie: Vollnarkose

Operationsdauer:

60 bis 90 Minuten
Krankenhausaufenthalt: 4 bis 5 Tage
Arbeitsunfähigkeit:2 bis 3 Wochen
Nachbehandlung: keine Fadenentfernung
Nachkontrollen:nach 6 Wochen
Verschluss künstlicher Dickdarmausgang

Verschluss künstlicher Dickdarmausgang   (Deszendorektostomie)

Vorbereitung: kleiner Einlauf
Anästhesie: Vollnarkose

Operationsdauer:

120 bis 180 min
Krankenhausaufenthalt: 7 bis 10 Tage
Arbeitsunfähigkeit:4 bis 6 Wochen
Nachbehandlung: keine Fadenentfernung
Nachkontrollen:nach 6 Wochen

 

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Spezialsprechstunde: Kolorektale Chirurgie (Dünn-, Dick- und Enddarm)

Das Kolorektal-Team (Lower GI Team) bietet eine umfassende Behandlung für alle Erkrankungen des Darmes (Dünn-, Dick- und Enddarm) und des Afters (Proktologie) auf universitärem Niveau an. Auch können unsere Patientinnen und Patienten an klinischen Studien teilnehmen und erhalten so Zugang zu den neuesten und innovativsten Therapien.

Kolorektale Chirurgie                  Proktologie                 Online-Anmeldung für Ärzte & Spitäler

Anmeldung und Auskunft
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Sara.Placido@usz.ch

Verantwortliche Kaderärzte
Prof. Dr. Matthias Turina, PhD
Dr. Andreas Rickenbacher
Dr. Daniela Cabalzar-Wondberg

Sprechzimmer
UniversitätsSpital Zürich
Kolorektale Sprechstunde
Ambulante Disposition (AUFN A 370)
Rämistrasse 100
8091 Zürich

Kontaktadresse
UniversitätsSpital Zürich
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
Frau Sara Plácido (Clinical Nurse)
Rämistrasse 100
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