Analkrebs

 

Definition und Einteilung

Unter Analkrebs versteht man die bösartige Entartung von Gewebe des Analkanals bzw. des Analrandes. Als Analrand wird das Gewebe vom After bis 5 cm darüberhinaus bezeichnet. 75% aller Analkrebse befinden sich im Analkanal (Analkanalkarzinom), 25% am Analrand (Analrandkarzinom). Diese Einteilung in Analrand- und Analkanalkarzinom ist für die Therapie entscheidend.
‚Bösartig’ bedeutet, dass die entarteten Zellen im Körper streuen und sog. Metastasen (Krebsableger) bilden können. Die Ableger finden sich häufig in den lokalen Lymphknoten, vor allem in den Lymphknoten der Leistenregion, in 2. Linie in Leber und Lunge.

 

Risikofaktoren

Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Allerdings weiss man, dass der Analkrebs bei Patienten mit analen Feigwarzen gehäuft vorkommt. Dies gilt vor allem, wenn die Feigwarzen durch sogenannte Risiko-Subtypen des Humanen Papillomavirus (HPV) bedingt sind (vorallem Subtyp 16 und 18) und eine Immunschwäche (z.B. AIDS oder bedingt durch immunsupprimierende Medikamente) vorliegt. In rund zwei Dritteln aller Analkrebse lassen sich humane Papillomaviren nachweisen. Bei homosexuellen Männern mit einer HIV-Erkrankung ist das Risiko, an einem Analkrebs zu erkranken, 80mal höher gegenüber Patienten mit einem normalen Immunsystem! Bei Patienten, die wegen einer Transplantation immunsuppressive Medikamente einnehmen müssen, ist das Risiko für einen Analkrebs sogar 100fach erhöht!

Als weiterer Risikofaktor wurde das Rauchen identifiziert. Das Risiko, an einem Analkrebs zu erkranken, ist bei Rauchern etwa 8-9fach erhöht im Vergleich zu Nichtrauchern.

 

Häufigkeit

Der Analkrebs ist eine seltene Erkrankung. Lediglich 1-2% aller Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes entfallen auf die Analregion. Pro Jahr erkranken rund 7 Patienten / Million Einwohner / Jahr. Die Häufigkeit ist jedoch stark ansteigend. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen. Der Altersgipfel für die Diagnose eines Analkrebses ist ca. 60 Jahre. Durch den Zusammenhang des Analkrebses mit einer Immunschwäche ist diese Erkrankung vermehrt bei HIV-Erkrankten zu beobachten. Betrachtet man isoliert die Patienten mit einer HIV-Infektion, ist die Häufigkeit etwa 500 Patienten/ Million Einwohner / Jahr!



Symptome und Diagnose

Der Analkrebs macht leider keine spezifischen Frühsymptome, weshalb seine Erkennung schwierig ist. Über 50% aller Analkrebse werden zuerst für gutartige Haut- oder Schleimhautveränderungen gehalten. Der Analkrebs kann von Schmerzen, Abgang von schleimigem Sekret, Juckreiz oder Blutungen begleitet sein, jedoch sind dies unspezifische Symptome, die auch bei einer Reihe anderer Krankheiten auftreten können. Gelegentlich findet sich eine Veränderung am Analrand im Sinne einer Verhärtung oder Wucherung, die dem Patienten auffällt. In seltenen Fällen besteht das Erstsymptom aus einer Stuhlinkontinenz durch den Krebsbefall des Schliessmuskels.

Durch eine genaue Untersuchung der Analregion durch den Spezialisten kann lediglich der Verdacht auf einen Analkrebs geäussert werden. Zu dieser Untersuchung gehört das Austasten des Afters mit dem Finger und die Inspektion des Analkanals mit dem Proktoskop. Ergänzend zu dieser Untersuchung ist eine Ultraschalluntersuchung vom Analkanal notwendig sowie eine Computertomographie des Bauches und eine Röntgenaufnahme der Lunge. Durch die Tatsache, dass der Analkrebs keine sicheren Frühsymptome macht, bestehen bereits bei 30-50% der Patienten Ableger in den regionalen Lymphknoten. Eine Untersuchung der Leistenregion durch den Arzt ist unabdingbar.

Die eigentliche Diagnose kann aber nur durch den Spezialisten (Pathologen) aufgrund einer Gewebeentnahme gestellt werden. Kleinere Befunde unter 1cm Grösse werden ganz entfernt und zur Untersuchung geschickt. Ist der verdächtige Befund grösser als 1cm, wird lediglich eine kleine Gewebeprobe entnommen.

Besteht der Verdacht auf einen Analkrebs, sollte jedoch nicht nur der verdächtige Befund untersucht werden, sondern auch die angrenzende Haut- bzw. Analregion. Denn oft ist der Analkrebs von blossem Auge nicht immer sichtbar. Diese Probeentnahme geschieht in einer standardisierten Weise und wird ‚anales Mapping’ genannt. Dabei werden verschiedene Gewebeproben von wenigen Millimetern Grösse (mindestens 24 Proben) aus dem Analkanal und dem Analrand genommen und untersucht. Können in keiner dieser Proben Krebszellen gefunden werden, so ist das Vorhandensein eines Analkrebses sehr unwahrscheinlich.

 

Allgemeines zur Therapie

Bei der Therapie des Analkrebses muss unterschieden werden, ob es sich um einen Analkanalkrebs oder einen Analrandkrebs handelt. Als Analrand wird ein 5cm grosses Hautareal um den After bezeichnet.

Die Therapie des Analrandkrebses besteht primär aus seiner chirurgischen Entfernung. Liegt jedoch ein Analkanalkrebs vor, so besteht die Therapie vor allem aus einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie oder einer alleinigen Strahlentherapie.

Die Therapiewahl wird individuell dem betreffenden Tumorleiden angepasst. Sie hängt von der genauen Krebslokalisation, der Tumorgrösse und dem Lymphknotenbefall ab. Ebenso ist entscheidend, ob es sich um eine Erstmanifestation eines Analkrebses handelt oder ob der Tumor nach vorgängiger Therapie wieder aufgetreten ist.

Nach einer Strahlen- und Chemotherapie bildet sich der Analkrebs nur langsam zurück. Für die Beurteilung des Therapieerfolges muss nach Beendigung der Therapie etwa 6 Monate zugewartet werden! Während dieser Zeit sind regelmässige Kontrollen sehr wichtig!

 

Chirurgische Therapie

Das Ausmass der Operation hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sie reicht von der lokalen Entfernung des Krebses bis hin zur Entfernung des gesamten Enddarmes.

Kleine Analrandkarzinome können mit dem Messer ausgeschnitten werden. Der dabei entstehende Haut- oder Schleimhautdefekt kann offen belassen oder mit Nähten verschlossen werden. Ist eine lokale Operation aber nicht möglich, so muss der gesamte Enddarm entfernt werden. Allgemein kann man sagen, dass eine lokale Operation nicht mehr möglich ist, wenn

  • der Tumor grösser ist als 2-3 cm
  • nach einer Bestrahlung Tumorreste verbleiben
  • wenn der Krebs nach erfolgreicher Behandlung erneut auftritt.

Muss der Enddarm durch einen Bauchschnitt als Ganzes entfernt werden, so wird dabei auch der Schliessmuskel mitentfernt. Dies geschieht aus Gründen der Radikalität, da sonst nicht gewährleistet werden kann, dass der Tumor ganz entfernt werden kann. Diese Operation bedingt einen definitiven künstlichen Darmausgang. Der After wird bei dieser Operation entfernt und die Haut in dieser Region verschlossen. Diese Operation dauert etwa 4-5 Stunden, bezüglich Spitalaufenthalt ist mit rund 10 Tagen zu rechnen.

 

Prognose

Die Prognose des Analkrebses hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Tumorgrösse und dem Vorhandensein von Lymphknotenablegern. Sind keine Lymphknoten befallen, so kann man sagen, dass 5 Jahre nach erfolgter Behandlung noch bis zu 80% der Patienten leben. Sind Ableger des Krebses im Körper vorhanden, ist die Prognose leider schlechter. Allgemein gilt, dass aus ungeklärten Gründen die Prognose bei Frauen besser ist als bei Männern.

 

Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wächst ein Analkrebs?
Der Analkrebs wächst langsam und über Vorstufen. Diese Krebsvorstufen heissen Anale Intraepitheliale Neoplasien , kurz AIN. Die AIN werden in drei Grade eingeteilt, I, II,und III. Liegt eine AIN III bei einem Patienten mit Immunschwäche (HIV) vor, ist in 5% der Fälle mit einem Übergang in einen Analkrebs zu rechnen. Die Früherkennung einer AIN ist deshalb entscheidend! Die Zeitdauer, die vom Auftreten von Condylomen bis zur Entstehung eines Analkrebses vergehen kann, beträgt jedoch Jahre.


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Operationsinformationen

Lokale Entfernung eines Analkrebses

Lokale Entfernung eines Analkrebses

Vorbereitung: kleiner Einlauf
Anästhesie: Voll- oder Rückenmarksnarkose

Operationsdauer:

60 Minuten
Krankenhausaufenthalt: stationär (3 Tage)
Arbeitsunfähigkeit:1 - 2 Tage
Radikale Entfernung des Enddarmes

Radikale Entfernung des Enddarmes

Vorbereitung: Abführen
Anästhesie: Vollnarkose

Operationsdauer:

3 - 6 Stunden
Krankenhausaufenthalt: stationär (7 Tage)
Arbeitsunfähigkeit:3 - 4 Wochen


 

Spezialsprechstunde: Enddarm und Proktologie (After, Hämorroiden, Fisteln)

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Dr. Andreas Rickenbacher
Dr. Daniela Cabalzar-Wondberg

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