Gastroösophageale Refluxkrankheit



Gastroösophageale Refluxkrankheit / chronisches Sodbrennen (GERD)

 

Allgemeines und Diagnostik

Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist ein weitverbreitetes Krankheitsbild; zwischen 30 und 40% der erwachsenen Bevölkerung leiden regelmässig unter entsprechenden Symptomen (Sodbrennen und Hochlaufen von saurem Mageninhalt). Die meisten Patienten sind mit den verfügbaren Medikamenten sehr zufrieden und bedürfen keiner chirurgischen Intervention. Allerdings sollte über eine Operation nachgedacht werden, wenn: 

  • die Medikamente trotz erhöhter Dosierung nicht mehr ausreichend wirken
  • viel Flüssigkeit aus dem Magen in die Speiseröhre oder gar bis in den Mund zurückfliesst (sogenannter Volumenreflux)
  • die Medikamente nicht optimal vertragen werden



In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der längerfristige Gebrauch von  Medikamenten (Protonenpumpeninhibitoren oder PPI) gegen Sodbrennen ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringt (Zeitschrift für Gastroenterologie 2014): 

  • Osteoporose und Knochenbrüche
  • Atemwegsinfekte
  • Vitaminmangelzustände
  • Magenschleimhautentzündungen 



Falls ein operativer Eingriff zur Behandlung des Sodbrennens geplant ist, sollten Sie sich an ein entsprechendes Kompetenzzentrum wenden. Unser Upper-GI Team ist auf die chirurgische Behandlung von Sodbrennen spezialisiert und berät Sie gerne im Rahmen der Spezialsprechstunde. Unsere Expertise beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung mit hunderten von Refluxpatienten und verschiedensten Operationstechniken, so dass wir Ihnen in jedem Fall eine massgeschneiderte Lösung bieten können. Zur optimalen Einschätzung der individuellen Situation sind präoperativ folgende Untersuchungen erforderlich und werden in Zusammenarbeit mit Ihrem Gastroenterologen oder auch über unsere Klinik veranlasst: 

  • Ösophago-Gastroskopie (Magenspiegelung)
  • Langzeit-pH-Metrie (Säuremessung in der Speiseröhre)
  • Ösophagusmanometrie (Messung der Motilität der Speiseröhre)
  • Kontrastdarstellung der Speiseröhre und des Magens

 

Therapie

Nachfolgend eine Übersicht der zur Therapie der gastroösophagealen Refluxkrankheit eingesetzten Operationsverfahren:

Laproskopische Fundoplikatio nach Nissen

Laproskopische Fundoplikatio nach Nissen

Die vom deutschen Chirurgen Rudolf Nissen (1896-1981) 1956 während seiner Zeit als Direktor der Klinik für Chirurgie der Universität Basel erstmals beschriebene Fundoplikatio war die weltweit erste dauerhaft wirksame Antirefluxoperation. Die von Rudolf Nissen angegebene Operationstechnik beinhaltet die Bildung eines neuen „Ventils" zwischen der Speiseröhre und dem Magen, um das Hochlaufen von Mageninhalt dauerhaft zu unterbinden. Das Ventil besteht aus dem oberen Magenanteil, der wie ein Kragen um die untere Speiseröhre gelegt und mit sich selbst vernäht wird.

Heute wird dieser Eingriff in fast allen Fällen minimal-invasiv, also ohne grossen Bauchschnitt durchgeführt.

Die minimal-invasive Fundoplikatio nach Nissen gilt heute als Standardverfahren und ist sicherlich weltweit die am häufigsten durchgeführte und bewährteste Antirefluxoperation. In entsprechenden Studien konnte gezeigt werden, dass etwa 85-90% der operierten Patienten auch lange Zeit (5 – 10 Jahre) nach dem Eingriff mit dem Operationsergebnis zufrieden sind.

Laparoskopische Fundoplikatio nach Toupet

Laparoskopische Fundoplikatio nach Toupet

Die Fundoplikatio nach Toupet ist eine Variante der Nissen-Fundoplikatio, bei der nur eine Teilmanschette um den hinteren Teil der Speiseröhre angelegt wird. Dieses Verfahren kommt vorzugsweise bei solchen Patienten zum Einsatz, die eine verminderte Schluckfunktion haben.

Laparoskopische Fundoplikatio nach Dor

Laparoskopische Fundoplikatio nach Dor

Auch die Fundoplikatio nach Dor ist eine Modifikation der zirkulären Manschette nach Nissen. Bei dieser Operation wird die Magenmanschette ausschliesslich um den vorderen Teil der Speiseröhre platziert. Auch dieses Verfahren wird besonders bei Patienten mit gestörter Schluckfunktion eingesetzt.

Laparoskopische Gastroplastik nach Collis mit Fundoplikatio nach Nissen

Laparoskopische Gastroplastik nach Collis mit Fundoplikatio nach Nissen

Bei einem sehr kleinen Teil der Patienten mit besonders schwerer Refluxsymptomatik kann es im Verlauf der Jahre zu einer narbigen Verkürzung der Speiseröhre kommen. Diese Patienten bedürfen dann einer operativen Verlängerung der Speiseröhre, damit die Fundoplikatio-Manschette ohne Spannung angelegt werden kann. Diese Verlängerung wird mit Hilfe eines speziellen Klammernahtgerätes durchgeführt.

Laparoskopische Sphinkteraugmentation mit Magnetimplantat (LINX®)

Laparoskopische Sphinkteraugmentation mit Magnetimplantat (LINX®)

Dieses Verfahren wird erst seit wenigen Jahren zur Therapie der Refluxkrankheit angeboten. Statt aus einer Magenmanschette wird das Ventil aus einem Implantat gebildet. Das Implantat besteht aus einer Kette von titanverkapselten Dauermagneten und wird in minimal-invasiver Technik um die untere Speiseröhre gelegt.

Es kommt so zu einer Verstärkung des natürlichen Ventils zwischen Speiseröhre und Magen und zur Verhinderung des Rückflusses. Das LINX®-Implantat ist allerdings nur für Patienten mit leichteren Refluxbeschwerden zugelassen. Gegenüber der klassischen Fundoplikatio hat dieses Verfahren den Vorteil, dass die natürliche Anatomie der Speiseröhre und des Magens bei der Operation weitgehend erhalten bleibt.

Laparoskopische Implantation eines Elektrostimulatiors (EndoStim®)

Laparoskopische Implantation eines Elektrostimulatiors (EndoStim®)

Wie die Implantation des Magnetsystems (LINX®) ist die Elektrostimulation des Schliessmuskels zwischen Speiseröhre und Magen mit dem EndoStim®-Verfahren erst seit wenigen Jahren zur Therapie der Refluxkrankheit zugelassen. Bei der Operation werden zwei Elektroden auf der unteren Speiseröhre verankert und mit einem unter der Haut platzierten Schrittmacher verbunden.

Der Schrittmacher stimuliert nun den unteren Schliessmuskel und verhindert auf diese Weise den Rückfluss von Säure in die Speiseröhre. Diese Operation wird in der Schweiz nur von an wenigen Zentren angeboten und kann ist nur für Patienten mit leichteren Beschwerden zugelassen. Auch bei dieser Technik besteht der wesentliche Vorteil in der minimalen Belastung der Patienten durch den Eingriff
.

 

Spezialsprechstunde: Speiseröhre, Magen und Duodenum (Upper GI)

Umfassende Diagnose und Behandlung von Krankheiten des oberen Gastrointestinaltraktes (Speiseröhre, Magen und Duodenum) durch ein hochspezialisiertes Team von national und international bekannten Experten. Wir verfügen über langjährige chirurgische Erfahrung auf dem gesamten Spektrum bösartiger und gutartiger Krankheitsbilder der Speiseröhre und des Magens. Als Universitätsklinik ist uns zudem die rasche klinische Umsetzung von Innovationen aus der Forschung ein wichtiges Anliegen. Diesem Ziel dient ein grosses Angebot klinischer Studien zur Evaluation neuer Therapieansätze.


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